Japanische Hängerolle

Kalligrafie

翠樹含風葉葉涼
suiju kaze o fukunde, yōyō suzushi
"Die smaragdgrünen Bäume nehmen den Wind auf; Blatt um Blatt ist es kühl."
oder
"Die grünen Bäume bergen den Wind, Blatt um Blatt erfrischend kühl."
oder etwas freier
"Wind zieht durch die grünen Bäume, und jedes Blatt spendet Kühle."

Herkunft des Verses

Die Zeile ist keine nachweislich anonyme Zen-Dichtung. Sie ist die vierte Zeile des dritten Gedichts einer Gruppe 夏日三首 ("Drei Gedichte über Sommertage") von Zhang Lei 張耒 (lebte 1054–1114 und war ein Dichter der Nördlichen Song-Zeit).

棗徑瓜畦過雨香
白衫烏帽野人裝
幽花避日房房斂
翠樹含風葉葉涼
養拙久判藏姓字
致身安事巧文章
漢庭卿相皆豪傑
不遇何妨白髮郎

Sinngemäß schildern die ersten vier Zeilen Wege zwischen Jujuben und Melonenbeeten nach dem Regen, die schlichte Kleidung eines Landmanns, Blüten, die sich vor der Sonne schließen, und schließlich die vom Wind gekühlten grünen Bäume. Hasama hat also eine besonders sommerlich-kühle Einzelzeile aus einem regulierten chinesischen Achtzeiler herausgelöst. In Japan wird genau diese isolierte Zeile heute als saisonales Zen-Wort im Teekontext verwendet.

Künstler

Hasama Sōgi 狭間宗義 (1926–1994)

Hasama Sōgi war ein einflussreicher japanischer Zen-Mönch der Rinzai-Schule (Linji), speziell der Myōshin-ji-Linie, die auf den Gründer Kanzan Egen (1289–1360) zurückgeht. Geboren 1926 in Yoshida-chō (heute Uwajima, Präfektur Ehime) als Hasama, erhielt er mit acht Jahren seine Tonsur (Gotoku) im lokalen Sōshō-ji-Tempel unter Abt Hasama Hōshō. Sein Dharma-Name (Hōki) ist Sōgi, sein Ordensname (Dōgō) Shōshū, und sein Studierzimmer hieß „Mui-shitsu“ (Raum ohne Position).

Seine Ausbildung umfasste intensive Praxis in Mönchs-Hallen (Sōdō): 1946 begann er im Myōshin-ji Sōdō, wechselte später zu Ehime Daijō Sōdō und Myōkō Sōdō. Er studierte unter Meister Kōno Sōkan und erhielt 1970 (Shōwa 45) die Dharma-Übertragung (Shishō). Nach Sōkans Tod im selben Jahr wurde Sōgi 19. Abt (Jūshoku) des Myōkō-ji-Tempels in Aichi sowie Leiter des dortigen Sōdō (Shike). Als 667. Patriarch der Myōshin-ji-Linie (eines der fünf Hauptklöster des Rinzai-Zen in Kyoto) trug er maßgeblich zur Weitergabe der Linie bei, die auf Hakuin Ekaku (1686–1769) und weiße Zen-Traditionen zurückgeht.

Sōgi war bekannt für seine strenge, aber inspirierende Lehre, die Meditation (Zazen), Disziplin und Alltagsintegration von Zen betonte. Er verfasste zwei Hauptwerke: „Katsuzan-kutsu Watō Nichiroku“ (Tagebuch der Überquerung des Himmels durch die Katsuzan-Höhle – ein autobiografisches Praxis-Tagebuch) und „Zen no Kokoro“ (Das Herz des Zen – eine Einführung in zenische Haltung). Darüber hinaus schuf er zahlreiche Tusche-Kalligrafien (Sumie) mit Zen-Sprüchen, die in Teezeremonien und Auktionen geschätzt werden, wie das genannte Stück. Er war auch in Bildungsprojekten involviert, z. B. DVDs zu Zen und Naikan-Therapie (eine Achtsamkeitsmethode). Sōgi starb 1994 im Alter von 68 Jahren; sein Vermächtnis lebt in der Myōkō-ji-Linie fort, wo sein Schüler die Führung übernahm.

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