Japanische Hängerolle

Kalligrafie

花開萬國春
hana hiraite bankoku no haru
wörtlich
"Blume – öffnet sich – zehntausend/alle Länder – Frühling."
oder sinngemäß
"Wenn eine Blume erblüht, ist Frühling in aller Welt."
oder etwas freier
"Blüht die Blume, wird überall Frühling."

Die alte Form 萬國 statt 万国 ist im kalligrafischen Schriftgebrauch normal.

Ursprung und Bedeutung des Spruchs

Der Satz ist ein verbreitetes Zen-Wort. Das staatliche japanische Kulturportal erklärt, er symbolisiere die volle Frühlingsblüte und werde häufig kalligrafiert; als wahrscheinliche Quelle nennt es eine Passage im Linji lu (japanisch Rinzai-roku), den überlieferten Aussprüchen des chinesischen Chan-Meisters Linji Yixuan.

Die längere Passage lautet 寒松一色千年別、野老拈花萬國春. Der Zen-Autor Genyū Sōkyū erläutert, dass der heute geläufige Fünfzeichen-Satz eine verdichtete Zen-Formel ist. Seine Deutung verbindet das eine Erblühen mit der überall gegenwärtigen Frühlingswirklichkeit – im Zen übertragen mit Erwachen beziehungsweise Buddhanatur.

Zugleich bleibt es ein erfreulicher Frühlings- und Neujahrsspruch. Dass genau dieser Satz seit dem 18. Jahrhundert und bis heute gern als Kalligrafie geschrieben wird, belegt auch das Werk von Ike Taiga im Nationalmuseum Tokio.

Künstler

Suga Gendō 須賀玄道すが げんどう; Künstlername: Toroku-an 渡鹿庵

Tempel 大徳寺 Daitoku-ji (Kyōto)

Der Hinweis in der Auktionsbeschreibung bedeutet: Suga Gendō war dem Daitoku-ji-Zweig zugeordnet. Seine Kalligrafie steht damit in der Tradition der klassischen Daitoku-ji-Bokuseki, die seit Jahrhunderten als besonders streng und wertvoll gilt.

Tempel 瑞泉寺 (Ōita, Kitsuki)

Fotos

Eigene Fotos

Webquellen

Bezugsquelle