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Über die Kanzleischrift

Was ist die Kanzleischrift (隷書)

隷書Reisho ist eine Schriftform, die im alten China nach der Siegelschrift als zweite offizielle Standardschrift verwendet wurde. Die zuvor als Standardschrift geltende kleine Siegelschrift (小篆, eine Form der Siegelschrift, die unter dem ersten Kaiser Qin Shihuang vereinheitlicht wurde) hatte sehr viele Striche und war äußerst mühsam zu schreiben. Aus diesem Grund wurde sie vereinfacht und stärker aus geraden Linien aufgebaut – so entstand die Kanzleischrift. In der Han-Dynastie erreichte die Kanzleischrift ihre Blütezeit.

Im Allgemeinen bezeichnet man mit Kanzleischrift meist die der Regelschrift am nächsten stehende Achtteil-Kanzleischrift (八分隷, Happen-rei). Daneben gibt es auch die alte Kanzleischrift (古隷), die in der Übergangsphase von der Siegelschrift zur Kanzleischrift verwendet wurde, sowie die kursivierte Kanzleischrift (草隷), aus der später die Kursivschrift hervorging. Obwohl sie alle zur Kanzleischrift zählen, unterscheiden sie sich im Erscheinungsbild deutlich.

Merkmale der Kanzleischrift

Im Folgenden werden die Merkmale der Achtteil-Kanzleischrift vorgestellt, die im Kalligrafiebereich am häufigsten anzutreffen ist.

Flache, kantige Zeichenform

Die Zeichen wirken auf den ersten Blick abgeflacht. Man geht davon aus, dass dies darauf zurückzuführen ist, dass als Schreibmaterial Holz- und Bambusstreifen verwendet wurden.

In der Kanzleischrift werden die Striche kantig ausgeführt. Diese Schreibweise nennt man Fangbi (方筆).

Ansatz mit Gegenstrich und verborgenem Spitzenlauf, Führung mit Mittellinie

Zu Beginn des Strichs wird ein Gegenstrich angesetzt und die Pinselspitze verborgen geführt, sodass sie durch die Mitte der Linie läuft (Mittelführung, 中鋒). Dadurch bleibt die Spitze innerhalb des Strichs verborgen, und sowohl der Strichanfang (起筆) als auch das Strichende (収筆) wirken rund.

Gleichmäßige Geschwindigkeit bei Ansatz, Führung und Abschluss

Durch eine konstante Schreibgeschwindigkeit entstehen Linien ohne Stärke- oder Schwankungsunterschiede.

Waagerechte Striche horizontal, senkrechte vertikal, grundsätzlich symmetrisch

Waagerechte Striche steigen nicht wie in der Regelschrift nach rechts oben an. Sie sind grundsätzlich horizontal, gelegentlich jedoch leicht kuppelförmig gewölbt. Wenn waagerechte und senkrechte Striche aufeinander folgen, sind die Abstände zwischen den Linien gleichmäßig. Die Länge von beiden Strichenden bis zur Mittelachse des Zeichens ist identisch.

Wellenförmige Ausläufe links und rechts – das sogenannte Wellenterminal (波磔)

Die Enden waagerechter Striche sowie die linken und rechten Ausläufe haben eine dreieckige Form. Dies nennt man 波磔 (Hataku). Grundsätzlich wird innerhalb eines Zeichens nur bei einem einzigen Strich ein solches Wellenterminal ausgeführt.

Knicke werden als separate Striche geschrieben

Knickstellen, wie etwa der zweite Strich bei 口 oder 見, werden in der Regelschrift mit einem einzigen Strich geschrieben, in der Kanzleischrift jedoch als getrennte Striche ausgeführt (ob dabei der Pinsel vom Papier abgehoben wird, ist nicht eindeutig).

Weitere Merkmale der Kanzleischrift lassen sich ebenfalls kurz zusammenfassen. Die Kanzleischrift besitzt Eigenschaften, anhand derer man sie schon auf den ersten Blick erkennt. Es ist interessant, verschiedene klassische Vorlagen zu studieren und beim Schreiben darüber nachzudenken, aus welcher Epoche die jeweilige Kanzleischrift stammt.

Wichtige Punkte beim Schreiben

Der entscheidende Punkt ist das Wellenterminal (波磔), das wichtigste Merkmal der Kanzleischrift. Es wirkt schwierig, wird jedoch nahezu wie ein rechter Auslauf geschrieben. Der Unterschied besteht darin, dass der ausgeführte Teil nach rechts oben ansteigt. Achtet man darauf, dass das Strichende eine dreieckige Form annimmt, fällt das Schreiben leichter. Bei waagerechten Strichen sollte man jedoch darauf achten, nicht über die Höhe des waagerechten Strichs hinauszugehen.

Beim Auslauf wird nicht wie in der Regel- oder Laufschrift einfach ausgeschwungen, sondern man schreibt mit der Absicht, am Strichende leicht zu stoppen (oder zurückzuführen), um eine gewisse Rundung zu erzeugen.

Wer Schwierigkeiten mit dem Wellenterminal hat, sollte auf einem Blatt Papier immer wieder Striche mit Wellenterminal üben, bis sie in Fleisch und Blut übergehen. Allein dadurch gewinnt die Schrift deutlich an Kanzleischrift-Charakter. Letztlich hilft nur konsequentes Üben. Schreiben Sie viele verschiedene Zeichen, um ein Gefühl für die Kanzleischrift zu entwickeln.

Empfohlene klassische Vorlagen zum Nachschreiben