Traditionelle japanische Muster, auch „Wagara“ genannt, sind historische Designs mit jeweils spezifischer Bedeutung, die ursprünglich zur Verzierung traditioneller Kleidung entworfen wurden. Die Muster, deren Ursprünge bis in die Heian-Zeit des 8. Jahrhunderts in Japan zurückreichen, sind größtenteils von der Natur inspiriert und wurden mithilfe von Techniken der Malerei und chinesischen Kalligrafie gestaltet. Sie wurden je nach Jahreszeit und Anlass getragen. Im letzten Jahrhundert geriet diese Mustersprache jedoch zunehmend in Vergessenheit, da jüngere Generationen traditionelle Kleidung gegen westlichere Kleidung tauschten. Dies führte zur Wiederentdeckung von „Wagara“ für Heimtextilien und Modeaccessoires, um die Ausdruckskraft dieser traditionellen japanischen Muster zu erhalten und sie auch heute noch relevant und verwendbar zu machen.

Asanoha zeigt ein geometrisches Muster aus Hanfblättern. Hanf ist in Japan seit Langem eine wichtige Pflanze und
war neben Seide die wichtigste Textilfaser, bis im 17. Jahrhundert Baumwolle in Japan eingeführt wurde. Es
symbolisiert Wachstum und Gesundheit. Da Hanf schnell wächst, war es üblich, Asanoha für Kinderkleidung zu
verwenden, in der Hoffnung, dass das Kind ebenfalls schnell und kräftig wachsen würde.

Shibori ist eine Abbindetechnik, ähnlich dem Batikfärben, bei der Stoff mit Schnur abgebunden wird, um kunstvolle Muster zu erzeugen. Nach dem Entfernen der Schnur kommen detaillierte Bilder zum Vorschein. Shibori-Färben erfordert viel Zeit und Geschick. Die oben gezeigten kleinen Punktmuster sind als Kanoko Shibori bekannt.

Die Chrysantheme, oder Kiku auf Japanisch, ist ein Symbol für Langlebigkeit und Erneuerung. Als sie
während der Nara-Zeit in Japan eingeführt wurde, war die japanische Kaiserfamilie von ihr fasziniert. Im Laufe
der Jahre wurde die Chrysantheme schließlich zum Wappen der Kaiserfamilie. Auch heute noch ist sie das
kaiserliche Symbol Japans und findet sich sogar auf dem japanischen Reisepass.

Shippou bezieht sich auf die sieben Schätze des Buddhismus: Gold, Silber, Lapislazuli, Achat, Muschel, Bernstein
und Koralle. Alle diese Materialien stammen vom asiatischen Kontinent und waren kostbare und seltene Schätze.
Shippo bedeutet auch „Cloisonné“, eine Dekorationstechnik, bei der Metallstreifen und Edelsteine verwendet
werden. Das Muster stellt diese sieben wunderschönen Schätze dar, eingelegt in Metall, in einem sich unendlich
wiederholenden Muster.

Nami, oder „Welle“, diente als Symbol der Meeresgötter. Dieses Muster fand sich auch auf Bannern und Rüstungen
der Sengoku-Zeit (dem Zeitalter der Provinzkriege), in der die Truppen im Krieg einer wogenden Welle glichen.
Das Muster symbolisiert Stärke und zeigt eindrucksvolle Darstellungen von aufgewühlten, fließenden Wellen.

Karakusa, oder „Arabeskenmuster“, leitet sich von den Mustern an Stängeln, Ranken und den Verbindungen zwischen
Blättern und Ranken von Pflanzen ab. Es ist ein Symbol für die Ewigkeit und manchmal auch für das Erbe einer
Familie, ähnlich einem Stammbaum in der westlichen Kultur.

Seigaiha bedeutet „blaue Meereswellen“. Dieses Muster wurde in Ägypten, Persien und weltweit verwendet. In Japan
leitet sich der Name angeblich von Seigaiha ab, dem Titel eines alten japanischen Hoftanzes. In der Antike wurde
es bei festlichen Anlässen eingesetzt. Es gilt als Symbol für Frieden, Glück und Wohlstand.

Dieses Muster wurde von einer Insel außerhalb Japans importiert. Es wurde als Shima bekannt, was „Streifen“
bedeutet. Man sagt, dass dieses Muster häufig von Aristokraten der Oberschicht getragen wurde. Das kettenförmige
Shima-Muster ist als Yoshiwara Shima bekannt, benannt nach der Stadt, aus der es stammt. Yoshiwara Shima
symbolisiert, wie die Stadt einen anzieht und festhält wie Ketten. Es wurde auch als das Band beschrieben, das
eine Gemeinschaft zusammenhält.

Komon bedeutet „feines Muster“ und bezeichnet Muster aus winzigen Details, die aus der Ferne wie eine einfarbige
Fläche wirken. Ursprünglich wurden Komon-Muster nur für zeremonielle Kleidung verwendet. Heutzutage findet man
Komon hauptsächlich auf Kimonostoffen, wobei sowohl große als auch kleine Muster zum Einsatz kommen.

Kikko bedeutet „Schildkrötenpanzer“. Ursprünglich stammt dieses sechseckige geometrische Muster aus Westasien.
Die Schildkröte symbolisiert in Japan Langlebigkeit und soll zehntausend Jahre alt werden. Daher soll das
Kikkou-Muster Langlebigkeit verkörpern.

In der Edo-Zeit waren Raumteiler in Gitterform weit verbreitet. Dünnes Holz oder Bambus wurde horizontal und
vertikal angeordnet, um dieses Muster zu erzeugen. Man sagt, dass Koushi auf diesen Mustern basiert. Koushi mit
dickeren Linien symbolisiert Macht, Koushi mit dünneren Linien steht für Eleganz.

In China erzählt man sich die Legende von einem Wasserfall, der aus dem Haus eines Drachen entspringt und dessen
Aufstieg beschwerlich ist. Es heißt, dass jeder Koi (Karpfen), der es schafft, das Tor des Drachenhauses zu
erreichen, sich in einen Drachen verwandelt. Basierend auf dieser Legende gilt die Verbindung von Koi und
fließendem Wasser als Glückssymbol für Erfolg im Leben, insbesondere im Beruf.

Ishidatami ist auch als Ichimatumoyo (Schachbrettmuster) bekannt. Aufgrund seines schlichten Designs wurde
Ishidatami im Laufe der Jahre vielfältig eingesetzt. Jede neue Weiterentwicklung des Musters orientierte sich an
der jeweiligen Mode und griff meist die damals populären Farben auf.

In der Antike wurde dieses Muster Unki („Wolkenluft“) genannt, da es den aufsteigenden Wolken ähnelt, die von
den Bergen kommen, wo die Götter angeblich wohnen. Heute kann es Kumo genannt werden, was „Wolke“ bedeutet. Der
Name Kaminarimon stammt aus dem Altchinesischen und stellt eine spiralförmige Darstellung von Blitzen dar.

Tachiwaku ist ein Muster, das aufsteigendem Dampf ähnelt. In der Heian-Zeit erforderte dieses Muster
fortgeschrittene Techniken der Stoffherstellung. Daher wurde es ausschließlich für Kleidung der Oberschicht
verwendet. Es gibt verschiedene Kombinationsmöglichkeiten von Tachiwaku mit anderen Mustern.

Das Yagasuri-Muster stellt das Befiedern von Pfeilen dar, eine wichtige Fertigkeit im alten Japan, die auch
heute noch in modernen Zeremonien praktiziert wird. Yagasuri ist häufig bei Abschlussfeiern und Hochzeiten zu
sehen. Es symbolisiert Standhaftigkeit und Entschlossenheit, denn ein gerader Pfeil kehrt nie zurück.

In Japan ist der Kranich (Tsuru) ein weit verbreitetes Symbol für Langlebigkeit und Glück. Er wird üblicherweise
zusammen mit der Schildkröte dargestellt. Es gibt das Sprichwort: „Ein
Kranich tausend Jahre, eine Schildkröte zehntausend Jahre“. Ursprünglich wurde der Kranich nur für hochrangige
Familien verwendet. Im Laufe der Zeit wurde er oft mit anderen Glück verheißenden Motiven kombiniert.

Die Schildkröte ist ein Symbol für ein langes Leben und Glück. Man sagt, sie könne 10000 Jahre alt werden.
Manchmal wird die Schildkröte mit einem aus Seetang gefertigten Schwanz dargestellt, der ihr Alter symbolisiert;
dies wird als Minogame bezeichnet.

Sakura ist ein beliebtes japanisches Muster, das Kirschblütenblätter darstellt. Als Symbol des Frühlings wird es
aber auch das ganze Jahr über häufig verwendet. Kirschblüten sind ein weit verbreitetes Symbol Japans und stehen
zudem für Neubeginn, da sie zu Beginn des Schuljahres blühen.

Sayagata ist ein Muster aus ineinandergreifenden Manji – alten buddhistischen Symbolen, die seit Jahrtausenden
in vielen Kulturen verwendet werden. Das Symbol gelangte um 1500 nach Japan und steht dort für Leben und Stärke.

Das Tsubaki-Muster ist eines unserer beliebtesten Stickmuster und stellt die Kamelienblüte dar. Es erfreute sich
in der Edo-Zeit großer Beliebtheit und hat je nach Farbe unterschiedliche Bedeutungen. Rote Blüten symbolisieren
Liebe, weiße hingegen Sehnsucht. Da die Kamelie im Winter zu blühen beginnt, ist dies ein hoffnungsvolles
Zeichen für den kommenden Frühling.

Chidori, oder Regenpfeifer, sind Zugvögel in Japan. Sie werden üblicherweise beim Flug über Wellen dargestellt.
Da sie hohen Wellen und starken Winden trotzen müssen, gelten sie als Symbol für Stärke und Ausdauer.

Kaninchen sind in Japan ein besonderes Symbol. Es gibt zwei bekannte Geschichten. Die eine ist „Inaba no
Shirousagi“, das Weiße Kaninchen von Inaba. In einem Teil der Geschichte fordert das Kaninchen die Haie heraus,
um zu sehen, wessen Clan größer ist: der der Kaninchen oder der der Haie. Die Haie stellen sich im Meer auf, und
das Kaninchen zählt sie, während es entlangspringt. In Wirklichkeit ist es nur ein Trick, um die Haie als Brücke
zu benutzen und so nach Inaba überzusetzen. Seitdem ist dies ein beliebtes Motiv. Die andere bekannte Geschichte
handelt von einem Kaninchen, das auf dem Mond lebt. Ähnlich wie der europäische „Mann im Mond“ gibt es in der
östlichen Mythologie ein Kaninchen im Gesicht des Mondes.

Das Yukiwa-Muster stellt Schneeflocken dar und wurde gezeichnet, bevor man die geometrischen Strukturen von
Schneeflocken erkennen konnte. Es erfreute sich in der Edo-Zeit in Japan großer Beliebtheit für Sommerkimonos
und wurde üblicherweise mit Blumen oder Bambussprossen innerhalb der Kreise verziert.

Das Igeta-Motiv stellt einen Brunnen dar und ist aufgrund seiner Schlichtheit ein häufiges Motiv in
Kasuri-Stoffen. Da ein Brunnen eine Wasserquelle ist, symbolisiert er Leben und Glück. Er ist auch ein beliebtes
Familiensymbol.

Matsuba symbolisiert lange, vom Baum gefallene Kiefernnadeln. Es steht für Langlebigkeit und Ausdauer, wie der
immergrüne Baum, der auch in strengen Wintern grün bleibt.

Uroko bedeutet Schuppen, wie etwa die Schuppen eines Fisches oder einer Schlange. Es wird als Schutzamulett
verwendet und symbolisiert Drachenschuppen. Auch als Muster im Futter von Kimonos oder Obis findet man es im
Theater, wo es als Schlangenschuppen dargestellt wird.

Der Kiri, auch Paulownie genannt, wurde traditionell zur Geburt eines Mädchens gepflanzt und später, wenn sie
heiratsfähig war, gefällt, um sie zu verkaufen oder zu verschenken. Er ist eng mit dem Ho-o-Phönix verbunden,
der der Legende nach in ihm nistete und über die Familie wachte.
Der Kiri ist zudem ein aktuelles Symbol der japanischen Regierung.